Geißblatt (Lonicera)
Das Geißblatt ist die Kletterpflanze des warmen Sommerabends - ein Bauerngartenklassiker, dessen röhrenförmige Blüten einen süßen, betörenden Duft verströmen.
Überblick
Das Geißblatt ist die Kletterpflanze des warmen Sommerabends - ein Bauerngartenklassiker, dessen röhrenförmige, zweilippige Blüten einen süßen, betörenden Duft verströmen, der in der Abenddämmerung weit getragen wird und Nachtfalter, Bienen und Schmetterlinge anlockt. Frei über Bögen, Zäune, Pergolen und Bäume windend, hüllen die kletternden Geißblätter ein Gerüst in lockere, romantische Blüten, auf die oft glänzende Beeren folgen. Sie sind einfach, winterhart, wüchsig und sehr beliebt. Dieses Porträt behandelt die kletternden Geißblätter (Lonicera periclymenum, L. japonica und ähnliche); zu beachten ist, dass die Gattung auch strauchige Heckenkirschen umfasst und dass ein oder zwei Arten - besonders das Japanische Geißblatt - ernsthaft invasiv sein können.
Herkunft & natürlicher Lebensraum
Lonicera ist eine große Gattung, die auf der gesamten Nordhalbkugel heimisch ist. Die kletternden Geißblätter wachsen wild in Wäldern, Hecken und Gebüschen - sie winden sich durch Sträucher und Bäume hinauf, mit den Wurzeln in kühlem, schattigem, laubreichem Boden und den blühenden Spitzen im Licht. Das Wald-Geißblatt, Lonicera periclymenum, ist eine vertraute europäische Heckenpflanze; das Japanische Geißblatt, L. japonica, stammt aus Ostasien und ist in vielen Regionen bis zur Invasivität wüchsig. Diese Herkunft vom Waldrand ergibt denselben Schlüssel wie bei der Clematis: kühle, beschattete Wurzeln und ein sonniger Kopf.
Aussehen
Kletternde Geißblätter sind wüchsige, windende, verholzende Kletterpflanzen (meist laubabwerfend; manche halbimmergrün oder immergrün), die 3-8 m erreichen. Sie klettern, indem sie ihre Triebe um Stützen winden. Die Blätter sind einfach und oval. Die Blüten sind das Kennzeichen - in Büscheln, jede eine lange, schlanke Röhre, die sich in zwei geschwungene Lippen öffnet, oft mit auffälligen Staubblättern; die Farben reichen über Creme, Gelb, Gold, Rosa, Rot und Orange, und viele Blüten wechseln mit dem Alter die Farbe, was zweifarbige Büschel ergibt. Die meisten duften kräftig und süß, besonders am Abend. Meist folgen Büschel roter, orangefarbener oder schwarzer Beeren.
Warum man es pflanzt - Eigenschaften & Vorteile
- Kräftiger Abendduft: einer der großen Düfte des Sommergartens.
- Romantische, lockere Blüten in warmen zweifarbigen Tönen.
- Magnet für Wildtiere: Duft und röhrenförmige Blüten locken Nachtfalter, Bienen und Schmetterlinge an; Beeren ernähren Vögel.
- Einfach und wüchsig: winterhart, schnell und rasch über ein Gerüst gewachsen.
- Vielseitig: Bögen, Pergolen, Zäune, Mauern und das Klettern durch Bäume und Hecken.
- Lange blühend über einen Großteil des Sommers; manche Typen halbimmergrün.
- Bauerngartencharme: eine traditionelle, sehr beliebte Pflanze.
Pflege
Licht & Standort
Wurzeln im Schatten, Kopf in der Sonne - dasselbe Prinzip wie bei der Clematis. Kletternde Geißblätter blühen am besten, wenn ihr oberer Wuchs gute Sonne bekommt (manche vertragen Halbschatten), doch die Wurzeln wollen kühlen, beschatteten Boden. Die Basis mit niedrigen Pflanzen oder Mulch beschatten. Pflanzen in zu viel Sonne und trockenem Boden sind weit anfälliger für Mehltau und Blattläuse.
Boden
Fruchtbarer, humusreicher, feuchter, aber gut durchlässiger Boden. Geißblatt mag kein Austrocknen; den Boden mit Kompost verbessern.
Gießen
Den Boden feucht halten, besonders während des Anwachsens und in Trockenperioden - trockengestresstes Geißblatt ist viel anfälliger für Echten Mehltau und Blattlausbefall.
Düngen
Im Frühjahr mit einem ausgewogenen Dünger düngen und mit Kompost mulchen, um Feuchtigkeit zu halten und die Wurzeln kühl zu halten.
Schnitt
Der Schnitt hängt vom Typ ab und folgt grob der Logik der Clematis:
- Früh blühende Geißblätter (blühen am Holz des Vorjahres) - nach der Blüte leicht schneiden, etwas altes Holz entfernen und auslichten.
- Spät blühende Geißblätter (blühen am Holz des laufenden Jahres) - im Spätwinter/zeitigen Frühjahr schneiden.
Überwucherte, verfilzte, unten kahle Geißblätter lassen sich durch einen starken Rückschnitt verjüngen, den sie meist gut vertragen. Den windenden Trieben eine Stütze zum Festhalten geben.
Winterhärte & Winterschutz
Die meisten kletternden Geißblätter sind winterhart (meist bis etwa USDA-Zone 4-5, je nach Art) und brauchen keinen Winterschutz.
Pflanzung & Vermehrung
Im Herbst oder Frühjahr an einer Stütze pflanzen, mit beschattetem Wurzelbereich. Leicht über krautige oder halbreife Stecklinge oder durch Absenken vermehren - Geißblatt wurzelt bereitwillig. Beim Vermehren und Pflanzen des Japanischen Geißblatts dort vorsichtig sein, wo es invasiv ist.
Häufige Probleme & Schädlinge
- Echter Mehltau: das häufigste Problem - ein weißer Belag auf den Blättern, viel schlimmer bei trockengestressten Pflanzen, an heißen, trockenen Standorten oder mit heißen, trockenen Wurzeln. Die Lösung ist vor allem kulturell: kühle, beschattete, feuchte Wurzeln und ein nicht allzu heißer Platz.
- Blattläuse: Geißblatt ist auffällig anfällig für Blattläuse, die sich an den weichen Triebspitzen und Knospen sammeln, besonders an gestressten Pflanzen.
- Kahler, verfilzter, kopflastiger Wuchs: Ungeschnittene wüchsige Geißblätter werden zu einem unten kahlen Vogelnest aus verfilzten Trieben - durch starken Rückschnitt verjüngen.
- Wenige Blüten: zu viel Schatten oder ein Schnitt zur falschen Zeit für den jeweiligen Typ.
- Invasivität: Besonders das Japanische Geißblatt (L. japonica) ist in vielen Regionen stark invasiv - vor dem Pflanzen prüfen und gutartige Arten bevorzugen.
Giftigkeit & Sicherheit
Geißblatt gilt allgemein als leicht giftig - besonders die Beeren können bei Menschen, Katzen, Hunden oder Pferden in größeren Mengen gegessen Magenverstimmungen (Erbrechen, Durchfall) verursachen und gelten am besten als nicht zum Verzehr geeignet. Die Pflanze gilt nicht als schwere Vergiftungsgefahr, schwere Vergiftungen sind selten, und Geißblatt wird in Familiengärten verbreitet gepflanzt - doch Kinder und Haustiere sollten davon abgehalten werden, die Beeren zu essen. (Bei manchen Arten hat das Aussaugen des Nektars aus den Blüten eine lange volkstümliche Tradition, doch die Beeren sind der Teil, den man von Kindern fernhalten sollte.)
Vor- & Nachteile
Vorteile
- Wunderbarer, kräftiger Abendduft.
- Romantische zweifarbige Blüten; lange Sommerpracht.
- Einfach, winterhart, wüchsig und rasch über ein Gerüst gewachsen.
- Hervorragend für Wildtiere - Nachtfalter, Bienen, Schmetterlinge und beerenfressende Vögel.
Nachteile
- Anfällig für Echten Mehltau und Blattläuse, besonders unter Stress.
- Wird ohne Schnitt zu einem kahlen, verfilzten Durcheinander.
- Beeren sind leicht giftig; manche Arten (Japanisches Geißblatt) sind invasiv.
- Wüchsig - kann kleinen oder schwachen Stützen entwachsen.
Am besten geeignet für
- Bögen, Pergolen, Zäune und Mauern in Bauern- und naturnahen Gärten.
- Das Klettern durch Bäume, große Sträucher und Hecken.
- Natur- und Bestäubergärten; nahe Sitzplätzen und Türen für den Abendduft.
- Gärtner, die eine einfache, duftende, traditionelle Kletterpflanze wollen.
Weniger geeignet für heiße, trockene, brütende Standorte (Mehltau), winzige Gärten mit schwachen Stützen, Regionen, in denen das Japanische Geißblatt invasiv ist (andere Arten wählen), oder Familien, die rund um kleine Kinder eine beerenfreie Pflanze wollen.
Geißblatt (Lonicera) - häufige Fragen
Warum bekommt mein Geißblatt weißen Echten Mehltau?
Warum ist mein Geißblatt unten kahl und oben verfilzt?
Wann sollte ich Geißblatt schneiden?
Sind Geißblattbeeren giftig?
Ist Geißblatt invasiv?
Diese Seite dient der allgemeinen Information. Hinweise zur Giftigkeit ersetzen keine ärztliche oder tierärztliche Beratung - bei Verdacht auf eine Vergiftung wende dich sofort an einen Giftnotruf, eine Arztpraxis oder eine Tierarztpraxis.