Obstbäume - Apfel, Kirsche & Pflaume (Einstieg in den Hausobstgarten)
Ein Obstbaum gehört zu den großzügigsten und langlebigsten Pflanzen im Garten - Blüte im Frühjahr, Schatten im Sommer und Früchte in Hülle und Fülle im Herbst, über Jahrzehnte.
Überblick
Ein Obstbaum gehört zu den großzügigsten, langlebigsten Dingen, die ein Gärtner pflanzen kann - ein einziger Baum kann im Frühjahr Blüten, im Sommer Schatten und Struktur und im Herbst Arme voll frischer Früchte geben, Jahr für Jahr, über Jahrzehnte. Das klassische Trio für den Hausobstgarten sind Apfel, Kirsche und Pflaume - alle winterhart, alle dankbar und alle weit leichter zu verwirklichen, als viele denken, denn moderne Bäume auf schwachwachsenden Unterlagen lassen sich klein genug für einen durchschnittlichen Garten, sogar für einen großen Kübel halten. Dieses Porträt ist ein Einstieg in den Anbau dieser Baumobstarten: die wenigen Schlüsselbegriffe - Unterlage, Bestäubung und Schnitt -, die aus einem gepflanzten Baum einen ertragreichen machen.
Herkunft & natürlicher Lebensraum
Der Kulturapfel (Malus domestica) geht auf wilde Apfelarten Zentralasiens zurück; Kirschen (Prunus avium und P. cerasus) und Pflaumen (Prunus domestica und Verwandte) stammen von Wildarten in Europa und Westasien ab. Alle sind Bäume gemäßigter Klimate aus Regionen mit kalten Wintern und ausgeprägten Jahreszeiten - und, wichtig, sie brauchen eine Phase der Winterkälte ("Kältereiz"), um die Winterruhe zu beenden und richtig zu blühen und zu fruchten. Deshalb gedeihen diese klassischen Obstarten in Gärten gemäßigter Breiten und tragen in milden, frostfreien Klimaten schlecht.
Aussehen
Äpfel, Kirschen und Pflaumen sind laubabwerfende Bäume mit weitgehend ähnlichem Lebenszyklus: kahl im Winter, ein spektakulärer Blütenflor im Frühjahr (weiß bis rosa), ein belaubtes Kronendach im Sommer und reifende Früchte im Spätsommer bis Herbst. Die endgültige Größe hängt ganz überwiegend von der Unterlage ab, auf die die benannte Sorte veredelt ist - dieselbe Apfelsorte kann auf einer sehr schwachwachsenden Unterlage ein 2 m hoher Kübelbaum oder auf einer starkwachsenden ein großer traditioneller Streuobstbaum werden. Bäume können freistehend als Buschbäume gezogen oder in platzsparenden Formen - Schnurbäume, Spaliere, Fächer - an Mauern und Zäunen erzogen werden.
Warum man sie pflanzt - Eigenschaften & Vorteile
- Frisches Obst aus eigenem Anbau - Geschmack und Sorten, die es im Laden nicht gibt.
- Jahrzehnte der Ernte: Ein Obstbaum ist eine langfristige, ertragreiche Investition.
- Frühlingsblüte: einer der schönsten Anblicke des Gartenjahres.
- Auch in kleinen Gärten machbar: Schwachwachsende Unterlagen und Erziehungsformen passen auf kleine Flächen und in Kübel.
- Wert für Wildtiere: Die Blüte ernährt Bestäuber; die Früchte Vögel und Säugetiere.
- Struktur und Schatten: Ein Baum gibt dem Garten Höhe, Gerüst und einen Blickfang.
- Tradition und Vielfalt: Zugang zu Hunderten alter und ungewöhnlicher Sorten.
Pflege - die Schlüsselbegriffe
Unterlage - die Größe des Baums wählen
Der mit Abstand wichtigste Begriff für einen kleinen Garten. Ein Obstbaum besteht aus zwei Pflanzen in einer: einer benannten Sorte (der Krone, die die Frucht bestimmt), veredelt auf eine Unterlage (die Wurzeln, die weitgehend über die endgültige Größe und Wüchsigkeit des Baums entscheiden). Mit der richtigen Unterlage kann man einen ertragreichen Apfelbaum haben, der klein genug für einen winzigen Garten oder einen großen Kübel bleibt, oder einen größeren Baum für eine Obstwiese - ganz nach Wahl. Beim Kauf immer die Unterlage prüfen, nicht nur die Obstsorte.
Bestäubung - viele Obstbäume brauchen einen Partner
Viele Obstbäume können allein nicht fruchten. Eine große Zahl von Äpfeln, die meisten Süßkirschen und viele Pflaumen sind nicht selbstfruchtbar - sie brauchen Pollen einer anderen, passenden Sorte, die gleichzeitig in der Nähe blüht, um Früchte anzusetzen. Vor dem Kauf prüfen, ob ein Baum selbstfruchtbar ist oder einen Bestäuberpartner braucht; braucht er einen, muss man entweder einen passenden zweiten Baum pflanzen, einen im Nachbargarten haben oder eine selbstfruchtbare Sorte wählen. (Manche Äpfel, Kirschen und Pflaumen sind selbstfruchtbar - eine gute Wahl, wo nur Platz für einen Baum ist.) "Familienbäume" mit mehreren auf einen Baum veredelten Sorten sind eine weitere Lösung für kleine Flächen.
Licht, Boden & Standort
Volle Sonne ist für das Ausreifen guter Früchte am besten, an einem Standort geschützt vor starkem Wind und idealerweise nicht in einer Frostsenke - Spätfröste können die Blüte und die Ernte zerstören. Fruchtbarer, gut durchlässiger Boden, mit Kompost angereichert; Obstbäume mögen keinen staunassen Boden.
Pflanzung
Wurzelnackte Bäume in der Ruhezeit (Herbst bis zeitiges Frühjahr) pflanzen oder Containerbäume ganzjährig. In der richtigen Tiefe pflanzen - die Veredlungsstelle über der Erdoberfläche lassen -, den jungen Baum anpfählen und zum Anwachsen gut gießen.
Gießen & Düngen
Junge Bäume in den ersten Jahren und in Trockenperioden regelmäßig gießen, besonders Bäume in Kübeln und Erziehungsformen. Im Frühjahr düngen und mulchen; starke Stickstoffgaben meiden, die Blattwuchs statt Früchten fördern.
Schnitt
Der Schnitt formt den Baum, lässt Licht und Luft hinein und ist für eine gute Ernte unerlässlich - doch der Zeitpunkt unterscheidet sich je nach Obstart:
- Äpfel (und Birnen) werden meist im Winter in der Ruhezeit geschnitten.
- Kirschen und Pflaumen (das Steinobst der Gattung Prunus) sollten im Sommer, nicht im Winter geschnitten werden - ein Schnitt in der Ruhezeit setzt sie der Bleiglanzkrankheit und dem Bakterienbrand aus, ernsten Krankheiten, die über Wunden eindringen. Steinobst schneiden, wenn der Baum im aktiven Wachstum ist und Wunden schnell verheilen.
Dieser Unterschied - Äpfel im Winter, Pflaumen und Kirschen im Sommer - gehört zum Wichtigsten, was ein neuer Obstgärtner lernen muss.
Ausdünnen & Ernte schützen
In Jahren mit starkem Fruchtansatz verbessert das Ausdünnen der jungen Früchtchen (einige entfernen, damit die übrigen größer werden und die Äste nicht überlastet sind) die Qualität. Besonders Kirschen brauchen eventuell ein Netz zum Schutz vor Vögeln.
Winterhärte & Winterschutz
Äpfel, Kirschen und Pflaumen sind winterhart und brauchen Winterkälte, um zu tragen; für frostfreie Klimate eignen sie sich nicht. Die Bäume selbst sind robust, doch die Frühlingsblüte ist frostempfindlich - ein Spätfrost auf die offenen Blüten kann die Ernte eines Jahres vernichten, daher Frostsenken meiden und früh blühende Bäume geschützt pflanzen.
Pflanzung & Vermehrung
Bäume als veredelte Pflanzen kaufen und dabei Sorte, Unterlage (für die Größe) und eine Bestäubungslösung wählen, die zum Garten passt. Wurzelnackte Bäume in der Ruhezeit pflanzen. Obstbäume werden gewerblich durch Veredlung der gewählten Sorte auf eine ausgewählte Unterlage vermehrt - eine Arbeit, die Können verlangt, und zugleich der Grund, warum selbst gesammelte Samen die Muttersorte nicht wiedergeben.
Häufige Probleme & Schädlinge
- Keine Früchte trotz Blüte: sehr oft ein Bestäubungsproblem - dem Baum fehlt eine passende Partnersorte; auch Spätfrostschäden an der Blüte oder ein junger, noch nicht ertragsreifer Baum.
- Baum zu groß für den Garten: Es wurde die falsche (zu starkwachsende) Unterlage gewählt - für kleine Flächen eine schwachwachsende Unterlage wählen.
- Bleiglanz und Bakterienbrand: ernste Krankheiten bei Pflaumen und Kirschen, die über Schnittwunden eindringen - genau deshalb wird Steinobst im Sommer und nicht im Winter geschnitten.
- Apfelschorf, Apfel-/Pflaumensägewespe, Apfelwickler, Blattläuse, Monilia-Fruchtfäule, Vögel: verschiedene Schädlinge und Krankheiten befallen Baumobst - gute Hygiene, resistente Sorten und regelmäßige Pflege halten die meisten in Schach.
- Alternanz: Manche Äpfel tragen ein Jahr stark und im nächsten kaum - Ausdünnen im starken Jahr hilft, das auszugleichen.
Giftigkeit & Sicherheit
Die Früchte von Äpfeln, Kirschen und Pflaumen sind für Menschen natürlich sicher und köstlich. Für den Rest dieser Pflanzen gilt jedoch eine wichtige Vorsicht: Blätter, Rinde und besonders die Kerne und Steinkerne von Apfel, Kirsche und Pflaume enthalten Stoffe, die Blausäure freisetzen, und sind giftig. Apfelkerne und die Samen in Kirsch- und Pflaumensteinen sollten von Menschen nicht in größeren Mengen gegessen werden, und das Laub - besonders welke Prunus-Blätter (Kirsche/Pflaume) - ist für Pferde und Nutztiere gefährlich; die Pflanzen gelten außerdem als giftig für Katzen und Hunde. Die Früchte unbesorgt genießen (Kerngehäuse und Steine entsorgen), aber Haustiere und Weidetiere von Laub, Schnittgut und Samen fernhalten. Welkes Kirsch- oder Pflaumenschnittgut nie an Nutztiere gelangen lassen.
Vor- & Nachteile
Vorteile
- Jahrzehnte frisches Obst aus eigenem Anbau durch eine einzige Pflanzung.
- Wunderschöne Frühlingsblüte; Struktur, Schatten und Wert für Wildtiere.
- Dank schwachwachsender Unterlagen und Erziehungsformen auch in kleinen Gärten und Kübeln machbar.
- Zugang zu Hunderten Sorten, die es im Laden nicht gibt.
Nachteile
- Viele Sorten brauchen einen Bestäuberpartner - das muss geplant werden.
- Die Wahl der Unterlage ist entscheidend und wird leicht übersehen.
- Steinobst muss im Sommer geschnitten werden, um Bleiglanz/Bakterienbrand zu vermeiden.
- Die Frühlingsblüte ist frostgefährdet; Laub und Samen sind für Haustiere und Nutztiere giftig.
Am besten geeignet für
- Gärten in gemäßigten Breiten mit richtiger Winterkälte.
- Gärtner mit langem Atem und alle, die eine ertragreiche Pflanzung für Generationen wollen.
- Kleine Gärten und Terrassen (schwachwachsende Unterlagen, Erziehungsformen, Kübel) ebenso wie Obstwiesen.
- Sonnige, geschützte Standorte abseits von Frostsenken.
Weniger geeignet für milde, frostfreie Klimate, tiefen Schatten, Standorte in Frostsenken, staunassen Boden oder Gärtner, die Bestäubung und Unterlage nicht planen wollen.
Obstbäume - Apfel, Kirsche & Pflaume (Einstieg in den Hausobstgarten) - häufige Fragen
Warum blüht mein Obstbaum, trägt aber keine Früchte?
Wie halte ich einen Obstbaum klein genug für meinen Garten?
Wann sollte ich meine Obstbäume schneiden?
Brauche ich mehr als einen Obstbaum?
Sind Obstbäume giftig für Haustiere?
Diese Seite dient der allgemeinen Information. Hinweise zur Giftigkeit ersetzen keine ärztliche oder tierärztliche Beratung - bei Verdacht auf eine Vergiftung wende dich sofort an einen Giftnotruf, eine Arztpraxis oder eine Tierarztpraxis.